Hallo meine Lieben,
am Samstag, den 21.05.2016 war es endlich soweit, der Rennsteiglauf wurde ausgetragen. In diesem Jahr gingen insgesamt 16412 Läufer auf allen Distanzen an den Start – absoluter Rekord. Auf der, von mir gewählten, Halbmarathondistanz starteten ca. 7800 andere Läufer, absoluter Wahnsinn.Aber zurück zum Anfang, am Vortag, den 20.05.2016 begann bereits meine Reise in den Thüringer Wald und die damit unmittelbar verbundene Marathonvorbereitung. So wurde die Reisetasche bereits am Donnerstag gepackt und freitags wurden nur noch die nötigsten Sachen erledigt. Als besonders notwendig galt für mich das Packen meines „Racebags“ für den nächsten Tag (um nichts zu vergessen, verwendete ich die von bevegt.de) und natürlich das „Schlemmen“ um genug Energie für den Lauf zu haben. So wurde am Freitag nicht nur das „Ränzelein geschnürt“, sondern auch fleißig gekocht und gegessen. Alle Reste die übrig blieben (das waren nicht all zu viele, lediglich zwei Gläser Milchreis, welche vorneweg für das Frühstück am Lauftag bestimmt waren) wurden noch gut verpackt und selbstverständlich auch in die Tasche gesteckt. Bereits um 21Uhr begab ich mich ins Bett und schlief den Schlaf der Gerechten. 😉

Der Start in Oberhof

4:00 Uhr

Nachdem ich bereits seit 3:00 Uhr ausgeschlafen hatte, aber Mr. Blume zuliebe noch ruhig im Bett liegen blieb, klingelte endlich um 4:00 Uhr mein Wecker und kündigte an: „Nisi steh‘ auf es ist Raceday!“ Ich tat wie mir geheißen, kletterte aus dem Bett und bemerkte, wie die erste große Nervosität gepaart mit viel Vorfreude an mir herauf kroch. 

Da ich bei Mr. Blume zu Hause übernachtet hatte, musste ich erst zunächst 10min Fußweg bestreiten, um mit der üblichen Morgenroutine (Zähneputzen, Anziehen, Kämmen, usw.) in meinem alten Zimmer bei meinen Eltern beginnen zu können. In diesen 10min stieg gefühlt die Vorfreude pro Meter um 100% und kam zu ihrem vorläufigen Höhepunkt, als ich auf halber Strecke einem Fotografen des Rennsteiglaufs begegnete. 

4:30 Uhr

Ich kam bei meinen Eltern an und begann sofort mit der Morgenroutine, überprüfte noch einmal ob ich wirklich alles habe und wartete dann darauf, dass Mr. Blume vorgefahren kommt und mich abholt.

5:00 Uhr

Mr. Blume fuhr vor, wir luden meine Sachen in sein Auto und endlich kam ich dem Start ein großes Stück näher.

6:00 Uhr

Beim Abholen der Startunterlagen
Wir erreichten fast ohne Zwischenfälle Oberhof und fanden sogar auf Anhieb einen Parkplatz. Nach einer kurzen Orientierungsphase gelang es uns auch meine Startunterlagen abzuholen und ein ruhigeres Plätzchen zu finden, an dem ich mich Rennfertig machen konnte. Aber „ruhiger“ relativ, bereits, als wir die Unterlagen abholten, wurden wir von den Menschenmassen fast erschlagen. Einfach nur Wahnsinn!

6:30

Nachdem die letzten Vorbereitungen getroffen worden sind und ich rennfertig war, also in voller Laufbekleidung und mit Timingchip und Startnummer versehen, gab es erst einmal noch ein kleines Frühstück, um danach gestärkt zum Startbereich zu pilgern. 

7:00

Das kleine Frühstück 😉

Nach nicht ganz einer halben Stunde Fußmarsch hatten wir den Startbereich erreicht und auch meinen Startblock gefunden. Allerdings war von diesem nicht einmal der Start zu sehen. Erneut erstaunte es uns, wie viele Menschen sich wirklich hinter der Zahl 7800 verbergen. Aber hey, davon ließ ich mich natürlich nicht entmutigen. Die Kälte, welche mir langsam die Beine hochkroch, machte mir schon eher zu schaffen. Dagegen gibt es aber gute Hilfsmittel und so vergingen die letzten Minuten bis zum Start wie im Flug.

7:30

Voller Vorfreude auf den Start

Block 1 durfte schon starten. Jetzt war die Nervosität auf dem Siedepunkt. Ich wollte auch endlich starten und alles geben!

7:48

Endlich ertönte der heißersehnte Startschuss und der Lauf begann.

Die ersten Meter legten alle gemeinsam auf der Straße, welche an der Rodelbahn, der Skihalle und am Biathlon-Stadion vorbei führte, zurück. Nach dem ersten Kilometer konnte man zwischen zwei Streckenvarianten wählen, dies war notwendig, da man das Läuferfeld entspannen wollte. Ich wählte die zweite Variante, bemerkte aber leider von einer Entspannung des Läuferfeldes recht wenig. Die Strecken wurden bereits nach 0,8km wieder zusammengeführt und ich fühlte mich erneut wie eine „rennende Ölsardine“. Auch am ersten Berg bremsten die Menschenmassen mich aus und ein weiterer Gedanke schlich sich in meinen Kopf: „Du wolltest jeden Berg zügig gehen.“ Ich hörte kurz in meinen Körper hinein und stellte fest, dass weder meine Atmung, mein Herz noch meine Beine diesen Berg wirklich laufen wollten. Ich fühlte mich so voller Energie, also rann im Slalom hinauf und überholte zahlreiche andere Läufer. 

Nachdem ich den ersten Anstieg meisterte, ging es selbstverständlich auch wieder bergab. Hier versuchte ich einfach nicht aus meiner Pace zu kommen und wie wild los zu rennen, dies gelang mir meiner Meinung nach ziemlich gut. Allerdings nutzten das viele der bereits vorher überholten Läufer aus und liefen einfach an mir vorbei.

Aber der nächste große Aufstieg ließ nicht lange auf sich warten, es ging hinauf auf den „Großen Beerberg“. Das war meine Chance. Auch hier hatte ich genug Energie, um mich irgendwie laufend an den „Gehenden“ vorbei zu zwängen. Falls es euch interessiert, was einem Läufer, der bergauf sich an Menschenmassen vorbei zwängen muss, durch den Kopf geht, dann lasst euch gesagt sein, es ist nichts Gutes und viele nette Gedanken sind auch nicht mehr vorhanden. Aber vielleicht hat mich der Ärger auch beflügelt, ich weiß es nicht. Jedenfalls erreichte ich recht zügig den höchsten Punkt des Halbmarathons.

09:02 Uhr

Ich kam bei der zweiten Verpflegungsstation bei km 12 an und gönnte mir einen Becher Wasser und ein großes Stück Banane.

Energiegeladen konnte ich die letzten 9km in Angriff nehmen. Meine Beine fühlten sich an, als wäre ich eine Afrikanische Gazelle und ich lief bis km 18 wie im „Flow“, es lief sich so unglaublich gut und einfach, fast wie von selbst.

Nachdem ich 18km zurückgelegt hatte, kam ich auf den letzten „Abstieg zum Ziel“, dieser war das schlimmste Stück für mich. Die Leichtigkeit war mit einem Mal komplett verflogen und wich Schmerzen, die bei jedem Aufsetzen meiner Füße verstärkt wurden. Ja, man hätte auch ein kurzes Stück gehen können, aber das kam für mich nicht in Frage. Ich lief weiter, redete mir ein, dass ich ein Kämpfer, ein Macher sei und dieses Rennen komplett durchlaufen werde.

10:12 Uhr

Und nach endlosen 3km war sie endlich da, die Zielgerade. Beflügelt von den Zurufen der Zuschauer und der Aussicht es geschafft zu haben, nahm ich meine letzten Reserven zusammen und sprintete, an allen anderen Läufern vorbei, ins Ziel. Dort bekam ich sofort meine Medaille und wurde vom direkten Zieleinlauf fort geleitet. 

Der Zielbereich
Erst als ich den Zielbereich verließ und Mr. Blume wieder in die Arme schließen konnte, dämmerte mir, was genau jetzt eigentlich passiert war. 

Den schönsten Moment erlebte ich aber, als ich meine Medaille gravieren ließ und feststellte, dass ich eine Halbmarathonzeit von 2:24:02h gelaufen war, das sind UNTER 2,5 STUNDEN. Jetzt war sie da, diese unglaubliche Freude, der Stolz sein Ziel erreicht zu haben. Einfach nur Wahnsinn!

10:40 Uhr

Ich habe es geschafft!

Mr. Blume und ich schlenderten zum Abschluss noch über das Gelände und kassierten alle Werbegeschenke ein. 😉 Als der Hunger allerdings zu groß wurde, brachen wir wieder Richtung Heimat auf, mit dem tollen Gefühl: Ich habe es geschafft.

Bilanz

Aber wie es nun immer bei mir so ist, muss ich eine Bilanz ziehen. Nach diesem Lauf bin ich zu zwei, für mich sehr relevanten, Entschlüssen gekommen.

Zunächst vielleicht der nicht ganz so wichtige. Ich werde definitiv keinen Halbmarathon mehr bestreiten, bei dem über 7000 Menschen teilnehmen und das schon gar nicht auf dem Rennsteig. Die kleinen Waldwege sind einfach für so viele nicht ausgelegt, daher kam für mich der Spaß am Laufen auch viel zu kurz. Es ist einfach nicht schön, wenn man den ganzen Lauf nicht den Blick vom Boden heben kann, ohne zu riskieren einen anderen Läufer in die Haxen zu treten. Daher muss ich leider den Rennsteiglaufverein, als Veranstalter kritisieren. Es hätte viel früher einen Anmeldestopp geben sollen, um jeden dem Spaß am Lauf zu ermöglichen. Sollte es die nächsten Jahre auch so sein, ist es sehr fraglich, ob die hohen Meldezahlen weiterhin beibehalten werden können. Aber nun gut, für mich ist das Thema Rennsteiglauf Halbmarathon eh erst einmal erledigt. 

Endlich nach Hause 😀
So genug Frust abgebaut, jetzt kommt meine wohl wichtigste Erkenntnis: Ich will mehr! Und ein konkretes Ziel habe ich da auch schon vor Augen. Ab nächster Woche beginnt das Training für den Münster Marathon am 12.9.. Und dieses Mal hoffentlich ohne Zwischenfälle oder Sonstigem. Was ich mir da so genau vorstelle, verrate ich euch ein anderes Mal. Für heute habt ihr genug gelesen.

Und jetzt heißt es für euch runter vom Sofa und raus in die Natur. Setzt euch Ziele und arbeitet an diesen, es lohnt sich wirklich wahnsinnig!

Also habt ein noch tolles Wochenende 😉

Bis zum nächsten Mal

Eure Nisi Blume

Werbeanzeigen

10 Gedanken zu “Der Rennsteiglauf Halbmarathon – Der erste Halbmarathon meines Lebens

  1. Glückwunsch zu Deinem ersten Halbmarathon und viel Erfolg für Dein Vorhaben in Münster. Es gibt aber auch Halbmarathons mit gleich viel oder wesentlich mehr Teilnehmern, wo man entspannt nach der Startphase laufen kann. Da fällt mir hier in Berlin der Airport Night Run, Berlin-Halbmarathon oder BIG25 ein. Wie es in Rostock und Leipzig ist, werde ich dieses Jahr noch antesten. Aber Du hast recht, gibt auch sehr schöne kleine Halbmarathons. Von meinen Start in Kühlungsborn haste ja vielleicht gelesen, oder auch den Töplitzer Insellauf fand ich klein, aber fein. Viel Spaß weiterhin beim Laufen

    Gefällt 1 Person

    1. Danke 😊 ja von deinem letzten Lauf habe ich gelesen und war ein klein wenig neidisch 😉 Du hast schon recht das es bei anderen Halbmarathons funktioniert, aber der Rennsteig ist nun einfach ein ziemlich enger Waldweg 🙈 Rostock reizt mich auch noch 🙈 also wenn du getestet hast, lass etwas von dir hören 😉 natürlich wünsche ich dir auch noch ganz viel Spaß beim laufen und ich hoffe das wir uns mal bei einem Marathon begegnen 😉😊

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s